Klaebo avanciert zum Weltcup-Superstar, Bjoergen gibt in Toblach Lehrstunde

Während der Siegerehrung der Damen zogen am Sonntagmorgen die Frecce Tricolori ihre Schleifen über dem Toblacher Langlaufzentrum. Den grün-weiß-roten Rauch hätten sie getrost mit den Landesfarben Norwegens austauschen können, denn was die Skandinavierinnen in der 10 Kilometer langen Loipe abgeliefert haben, war schlichtweg unglaublich. Im Fünferpack pirschten sie sich an die gestrige Siegerin Charlotte Kalla heran und ließen diese bereits zur Hälfte des Rennens hinter sich. Die Gesamtweltcupführende aus Schweden musste sich mit Platz sechs zufrieden geben, während sich ganz vorne ein norwegischer Dreikampf entwickelte. Im Zielsprint hatte Klassik-Spezialistin Bjørgen schließlich die Nase vorn. Es war ihr 112. Einzelsieg im Weltcup. „In den letzten Wochen bin ich etwas aus dem Tritt gekommen, deshalb war es für mich enorm wichtig, hier ganz vorne mitzulaufen. Dass es am Ende für Platz eins gereicht hat, ist umso schöner. Dieser Sieg gibt mir viel Selbstvertrauen in Hinblick auf die nächsten Rennen. Ein wenig richtet sich mein Blick bereits auf Olympia und diesbezüglich haben mich die Auftritte von Charlotte Kalla hier in Toblach beeindruckt. Sie wird uns Norwegerinnen in Südkorea alles abverlangen“, erklärte Bjørgen im Ziel.
Der Langlauf-Superstar ließ Ingvild Flugstad Østberg um drei Zehntelsekunden hinter sich. Diese zeigte sich aber zufrieden: „Das war ein richtig gutes Wochenende. Es war nicht einfach, den Kontakt zur Spitze herzustellen, doch heute habe ich mich richtig gut gefühlt. Wenn meine Formkurve weiter ansteigt, werde ich in bester Verfassung zu den Olympischen Spielen reisen.“ Den dritten Platz belegte, wie schon am Vortag, Heidi Weng. „Ich bin wirklich happy mit diesen beiden Podiumsplatzierungen in Toblach. Marit war heute einfach eine Klasse für sich“, so Weng.
Enttäuschend verlief das Rennen einmal mehr für die Gastgebernation. Als beste Azzurra schnitt erneut Elisa Brocard ab, die allerdings als 35. eine Top-30-Platzierung verpasste. „Die ganze Mannschaft trainiert sehr hart. Wir bräuchten dringend mal ein Erfolgserlebnis, um für einen Aufschwung zu sorgen“, weiß Brocard. Lucia Scardoni, Giulia Stürz, Anna Comarella, Caterina Ganz, Sara Pellegrini und Virginia De Martin Topranin platzierten sich noch weiter hinten im Klassement. Südtirolerin war keine am Start.
Das abschließende Weltcuprennen im Hochpustertal nutzte Johannes Høsflot Klæbo zur ganz großen Show. Der Skandinavier, der tags zuvor den zehnten Platz belegt hatte, schloss rasch zur Spitze auf und behauptete sich im vorderen Feld. Auf den letzten Kilometern zeichnete sich bereits ab, was der norwegische Senkrechtstarter im Schilde führte: Einen entfesselten Schlusssprint, der selbst die ärgsten Widersacher in den Schatten stellen sollte. Am Ende riss Klæbo vorzeitig die Hände hoch und glitt mit einem Vorsprung von 1,9 Sekunden über die Ziellinie. „Bin überglücklich hier erstmals einen Sieg bejubeln zu dürfen, nachdem ich im Vorjahr in Toblach bereits am Podium stand. Die neue, hügelige Streckenführung kommt meinen Eigenschaften sehr entgegen“, so der Skandinavier, der diesen Sieg seinen Betreuern widmete: „Ein großer Dank geht an mein Serviceteam, denn meine Skier waren auf den Abfahrten einfach der Hammer.“ Den zweiten Platz in dem hochspannenden Verfolgungswettkampf sicherte sich der letztjährige Toblach-Sieger Sergey Ustiugov. „Klaebo war heute einfach zu stark, deshalb ist der zweite Platz ist für mich ein großer Erfolg“, so Ustiugov. Der Russe ließ Alexey Poltoranini hinter sich, der sich von Platz 14 bis in die Spitzengruppe vorgekämpft hatte. Der Kasache zeigte sich überglicklich: „Es war nicht einfach von Platz 14 nach vorne zu kommen, ich habe mich an schnelle Läufer drangehängt und so den Kontakt zur Spitze hergestellt. Im Zielsprint habe ich dann nochmal die letzten Kraftreserven mobilisiert – mit Erfolg.“ Simen Hegstad Krüger, der im Einzelbewerb die Nase vorne hatte, musste seine Rivalen im Schlusssprint ziehen lassen und sich mit dem zehnten Rang begnügen.
Nach der Zielankunft der Top-Athleten waren in der Nordic Arena alle Augen auf den Pusterer Lokalmatador Dietmar Nöckler gerichtet, der allerdings mit Platz 47 vom Vortag eine große Hypothek zu tragen hatte. In dem von ihm bevorzugten Klassik-Stil zeigte er zwar eine bessere Leistung, konnte sich am Ende aber nur bis auf Rang 42 vorarbeiten. Nöckler war der drittbeste Azzurro. Schneller waren Giandomenico Salvadori, der es auf Rang 20 schaffte und Francesco De Fabiani. Er fiel von Startposition 15 auf den 27. Platz zurück. Alle weiteren Italiener platzierten sich im hinteren Feld.
Das tat der guten Stimmung der Organisatoren allerdings keinen Abbruch. Die Ausrichter rund um die Familie Santer richten ihren Fokus bereits auf das Jahr 2019, wenn in Toblach der Startschuss zur Tour de Ski fällt.